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Landkreis-Seniorenbeirat besucht Senioren-Forschungswohnung

22.10.2019 Weltweit hat Deutschland nach Japan die älteste Bevölkerung und dies wird sich auch so schnell nicht ändern. Die allermeisten Senioren wünschen sich, im Alter möglichst lange selbstständig in den eigenen vier Wänden leben zu können.

Ing. Alexander Karl erklärt den Landkreis-Seniorenbeiräten die Technik der Einrichtung

Wie dieser Wunsch zu realisieren ist, beschäftigt den Landkreis-Seniorenbeirat schon seit langem. Jetzt hat er mit seinem Vorsitzenden Hermann Krusch ein einzigartiges Projekt der Hochschule Kempten besichtigt.

Schranktüren öffnen sich von selbst, die Beleuchtung wird automatisch nach dem jeweiligen Außenlicht entsprechend gesteuert und angepasst, Küchenschränke können herabgefahren werden, um das Geschirr leichter zu erreichen, der Herd schaltet sich bei Unregelmäßigkeiten selbst ab und im Schlafzimmer steht ein Bett mit Aufstehhilfe. Dies und vieles mehr befindet sich in einer 55 qm großen Forschungswohnung in einer Seniorenwohnanlage in Kempten. „In 10 Jahren“, so Ingenieur Alexander Karl zu den Seniorenbeiräten, „wird das alles Normalität sein“.

Die Studenten und Ingenieure der Hochschule entwickeln entsprechende Prototypen und intelligente Assistenzsysteme, die in dieser Wohnung unter Praxisbedingungen getestet und ausprobiert werden. So versteckt sich beispielsweise raffinierte Technik in Form von Sensoren im Fußboden, die bei einem Sturz Alarm auslösen, der an eine Notrufstelle, einen Pflegedienst oder an den Nachbarn geleitet wird. Sehr beeindruckt hat die Dachauer Landkreis-Seniorenbeiräte auch die papierfreie Toilette. Tritt man davor öffnet sich automatisch der Deckel und die Sitzheizung wird aktiviert. Pfleger müssen keine „unliebsamen Aufgaben“ übernehmen und Toilettenpapier ist nicht mehr notwendig. Ein feiner Wasserstrahl reinigt und der eingebaute Fön trocknet. In Japan sind solche Toiletten bereits zum großen Teil Standard und auch bei uns sind sie immer mehr im Kommen.

Mit der digitalen Technik in der Kemptener Forschungswohnung kommen auch betagte Einwohner problemlos zurecht, da die Bedienelemente sehr einfach gehalten sind. Das Internet birgt natürlich auch Risiken bei der Übertragung von Daten. Eine letzte Sicherheit wird es nicht geben, meinte Ingenieur Karl, aber man muss dafür sorgen, dass die Geräte mit starken Passwörtern und regelmäßigen Updates gesichert sind.

Es wird aber immer eine Grundsatzentscheidung des Einzelnen sein, was ihm wichtiger ist: technikbasierte Selbstständigkeit oder dass er seine Daten keinem System anvertraut. So wie die Jugend heute mit ihren Daten umgeht, wird dies in 10 Jahren vermutlich kein Thema mehr sein.

Die in der Seniorenwohnung eingebaute Technik ist teilweise nicht gerade billig, aber es gibt bereits viele intelligente Geräte und Einrichtungen auch für den kleinen Geldbeutel. Erleichterung hat man z.B. mit seniorengerechtem Besteck und Geschirr, unterschiedlichen Haltegriffen, einer absenkbaren Gardinenstange, es gibt Sprachsysteme, die die Beleuchtung steuern, Musik spielen, vorlesen oder Essen bestellen und selbst Ikea bietet bereits seniorengerechte Kleiderschränke mit herausklappbaren Kleiderstangen an.

Nach dieser beeindruckenden Wohnungsbesichtigung besuchten die Seniorenbeiräte noch das zertifizierte, barrierefreie Allgäu ART Hotel, in dem auch Gäste mit Mobilitätseinschränkungen, aber auch mit Seh- und Hörbehinderungen willkommen sind. Auf Grund der behindertengerechten Einrichtung, der in Blindenschrift angebrachten Hinweise und vielen Orientierungshilfen finden sich auch behinderte Gäste in diesem Hotel leicht zurecht.

Die Mitglieder des Landkreis-Seniorenbeirats werden dieses Thema auch noch weiter behandeln und ältere Mitbürger über die Möglichkeiten von Erleichterungen und Hilfen im selbstbestimmten Wohnen entsprechend informieren.