Gemeinsam älter werden im Dachauer Land – Begegnung über Grenzen und Generationserfahrungen hinweg

Was früher trennte, wird heute zur Grundlage für Verständigung: Eine Gruppe Senioren aus dem polnischen Partnerlandkreis Oświęcim/Auschwitz war vom 21. bis 25. April 2026 zu einem Gegenbesuch im Landkreis Dachau zu Gast. 

Bereits im letzten Jahr war der Landkreis-Seniorenbeirat im Rahmen der Landkreispartnerschaft nach Polen gereist. Im Mittelpunkt stand nicht das Besuchsprogramm, sondern die besondere Bedeutung der Begegnung selbst.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehören einer Generation an, die ihre Kindheit und Jugend in der Nachkriegszeit erlebt hat – geprägt vom Eisernen Vorhang, politischen Gegensätzen und gegenseitigen Vorurteilen. Dass sich genau diese Generation heute offen begegnet, Erfahrungen teilt und voneinander lernt, macht den deutsch-polnischen zwischen den Landkreisen Dachau und Oswiecim/Ausschwitz Austausch zu etwas Besonderem.

Der Besuch knüpfte an die Reise des Landkreis-Seniorenbeirats nach Polen im vergangenen Jahr an und führte die dort begonnene Partnerschaft weiter. Ziel war es, gemeinsam auf die Frage zu schauen, wie gutes Älterwerden in unterschiedlichen Ländern gelingen kann.

Schnell zeigte sich: Trotz unterschiedlicher gesellschaftlicher Systeme stehen ältere Menschen in Deutschland und Polen vor sehr ähnlichen Herausforderungen. Themen wie Einsamkeit im Alter, Pflege, gesellschaftliche Teilhabe oder die Rolle des Ehrenamts beschäftigen beide Regionen gleichermaßen. Gerade dieser gemeinsame Erfahrungshorizont bildete die Grundlage für intensive Gespräche – nicht nur auf fachlicher, sondern vor allem auf persönlicher Ebene.

„Viele der Teilnehmenden sind mit Bildern voneinander aufgewachsen, die von politischen Grenzen geprägt waren“, erklärt Stefanie Otterbein von der Koordinierungsstelle Seniorenpolitisches Gesamtkonzept. „Heute begegnen sie sich als Menschen mit ähnlichen Lebensgeschichten. Das schafft Vertrauen und einen Austausch auf Augenhöhe.“

Auch das gemeinsame Programm im Landkreis Dachau diente als Rahmen für diesen Dialog. Neben fachlichen Einblicken in die Seniorenarbeit im Landratsamt, Praxisbeispielen aus den Kommunen und Gesprächen zu Digitalisierung und Pflege stand vor allem das gegenseitige Kennenlernen im Mittelpunkt. Ein besonderer Moment war das gemeinsame Gedenken in der KZ-Gedenkstätte Dachau mit Kranzniederlegung. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte eröffnete Raum für persönliche Gespräche über Verantwortung, Erinnerung und die Bedeutung eines friedlichen Miteinanders in Europa. Ergänzt wurde der Austausch durch Begegnungen in der Quartiersarbeit, gemeinschaftliche Aktivitäten sowie kulturelle Angebote, die den persönlichen Austausch weiter vertieften. Dabei kam auch die gemeinsame Lebensfreude nicht zu kurz: Bei Musik, Gesang und einem deutsch-polnischen Kochabend wurde viel gelacht, gemeinsam erlebt und spürbar, wie verbindend persönliche Begegnungen über Sprach- und Ländergrenzen hinweg sein können.

Landrat Stefan Löwl betont die gesellschaftliche Dimension der Partnerschaft: „Diese Begegnung steht symbolisch für das vereinte Europa. Menschen, die einst durch politische Systeme getrennt waren, kommen heute zusammen, um voneinander zu lernen und gemeinsam Zukunft zu gestalten. Gerade im Alter entsteht hier ein Dialog, der Versöhnung, Verständnis und demokratische Werte stärkt.“

Mit dem Gegenbesuch wurde die Zusammenarbeit zwischen den Seniorinnen und Senioren beider Landkreise weiter vertieft. Beide Seiten wollen den begonnenen Dialog fortsetzen und die Partnerschaft langfristig ausbauen.