Ernährung in der Schwangerschaft: Was wirklich wichtig ist
„Was darf ich noch essen?“, „Welche Nahrungsergänzungsmittel sind wirklich wichtig?“ oder „Kann ich durch die richtige Ernährung die Geburt beeinflussen?“ – Rund um die Ernährung in der Schwangerschaft kursieren zahlreiche Tipps und Empfehlungen. Viele davon stammen aus sozialen Medien oder dem Internet und sorgen bei werdenden Müttern eher für Verunsicherung als für Orientierung.
Um Fachkräfte für diese Herausforderungen zu sensibilisieren und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die Beratungspraxis zu bringen, veranstaltete die staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen am Gesundheitsamt Dachau einen Fachvortrag für beratende Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen aus ganz Oberbayern.
Dabei ist das Thema von besonderer Bedeutung. Bereits in den ersten 1.000 Tagen – von der Schwangerschaft bis in die ersten Lebensjahre eines Kindes – werden wichtige Grundlagen für die spätere gesundheitliche Entwicklung gelegt. Gesundheitliche Risikofaktoren können sich im Rahmen der sogenannten Epigenetik langfristig auf die Gesundheit des Kindes auswirken. Und: Zwischen wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen und weit verbreiteten Mythen besteht oft eine große Lücke.
Besondere Bedeutung kommt bei der Entwicklung einigen wenigen Nährstoffen zu. Als besonders relevant gelten Folsäure, Jod, Eisen, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und Cholin. Eine ausreichende Versorgung unterstützt die gesunde Entwicklung des ungeborenen Kindes. Dennoch zeigen aktuelle Studien, dass hier weiterhin Informationsbedarf besteht: Zwar geben viele Schwangere an, ihre Ernährung umzustellen, gleichzeitig werden wichtige Nahrungsergänzungen nicht immer konsequent eingenommen. So nehmen beispielsweise nicht alle Schwangeren die empfohlenen Mengen an Folsäure oder Jod zu sich, obwohl diese für die Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung sind.
Gleichzeitig halten sich zahlreiche Ernährungsmythen hartnäckig. So wird etwa immer wieder behauptet, ein vollständiger Verzicht auf Zucker in der Ernährung während der Schwangerschaft könne Geburtsschmerzen reduzieren. Für diese Annahme gibt es jedoch bislang keine wissenschaftlichen Belege. Umso wichtiger ist es, Informationen kritisch zu hinterfragen und auf qualifizierte Beratung zu setzen.
Diese Inhalte standen im Mittelpunkt des Online-Fachvortrags „Schwangerschaft und Ernährung – aktuelles Fachwissen“. Die Referentin Noreen Neuwirth, Ernährungswissenschaftlerin (M. Sc.) und zertifizierte Ernährungsberaterin (DGE), vermittelte aktuelles Fachwissen zu Ernährungstrends, Mikronährstoffen, Risikolebensmitteln und Qualitätskriterien professioneller Ernährungsberatung.
Im anschließenden Workshop diskutierten die Teilnehmenden die Bedeutung der Erkenntnisse für ihre tägliche Beratungspraxis. Die Rückmeldungen fielen durchweg positiv aus. Besonders hervorgehoben wurden die Praxisnähe, die wissenschaftlich fundierten Informationen und der fachliche Austausch. Viele Teilnehmende gaben an, die Sorgen, Ängste und den gesellschaftlichen Druck rund um das Thema Ernährung künftig noch stärker in ihren Beratungsgesprächen berücksichtigen zu wollen.
Für Fragen rund um Schwangerschaft und Schwangerschaftsberatung steht die staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen am Gesundheitsamt Dachau unter Telefon 08131 74-422 oder per E-Mail an schwangerenberatung@lra-dah.bayern.de zur Verfügung.