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Gegen das Vergessen

Mit der Reihe GEGEN DAS VERGESSEN hat der Kreisheimatpfleger Dr. Norbert Göttler auf verstorbene Persönlichkeiten unserer Region aufmerksam gemacht, die sich in sozialer, politischer, kultureller oder wissenschaftlicher Hinsicht in besonderer Weise verdient gemacht haben. Ihr Leben und ihre Verdienste werden mit dieser Reihe wieder in Erinnerung gebracht. Die Reihe wird von Frau Dr. Unger-Richter weitergeführt.

2018 wird an die Mallersdorfer Schwestern erinnert, die 128 Jahre als Krankenschwestern im Dachauer Krankenhaus tätig waren.

128 Jahre Krankenpflege in Dachau - Die Mallersdorfer Schwestern

Am 15. März 1864 traten die ersten drei Schwestern des Ordens der Franziskanerinnen ihren Dienst im Dachauer Krankenhaus an. 128 Jahre später, am 31. März 1992 verließen die letzten Schwestern den Ort.[1] Mehr als ein Jahrhundert leistete der Orden der Franziskanerinnen von der Heiligen Familie, auch „Mallersdorfer Schwestern“ nach ihrem Mutterkloster im niederbayrischen Mallersdorf genannt, einen wichtigen Beitrag zur Pflege der Kranken im Landkreis Dachau. Ein Grabstein an der nördlichen Friedhofsmauer des Alten Friedhofs erinnert an einige der Schwestern. Er wurde auf Anregung von Gästeführerin Anni Härtl im Auftrag des Landkreises Dachau, als Nachfolger des ehemaligen Distriktes 2018 restauriert. Wie kam es zu der langen Verbindung zwischen den Mallersdorfer Schwestern und dem Dachauer Krankenhaus?

 

Das Dachauer Spital im 19. Jahrhundert

Das 1823 erbaute Spital in der Gottesackerstraße gehörte ursprünglich dem Markt Dachau. Am 31. Dezember 1861 beschloss der Magistrat „daß das hiesige Lokalkrankenhaus sowie das gegenwärtig auf 690 Gulden 21 Kreuzer gewertete Mobiliar und die Summe von 9500 Gulden, und der daran anstoßende Hausgarten um die Summe von 500 Gulden an den Bezirk Dachau käuflich überlassen werden soll.“[2]  Zuvor hatte es noch Debatten gegeben, ob denn die Errichtung eines Krankenhauses in Dachau überhaupt sinnvoll sei, schließlich verbreite die Papierfabrik unangenehme Gerüche, vor allem durch das Kochen der Hadern. Dagegen gehalten wurde, dass davon nur ein kleiner Teil des Marktes betroffen sei.

Der Distrikt erwarb das Spital, da es zu seinen Pflichtaufgaben gehörte, sich um die die Errichtung und Unterhaltung von Krankenanstalten zu kümmern.[3] Bereits 1862 hatte man sich mit den Schwestern in Verbindung gesetzt, um sie als Pflegepersonal zu gewinnen. Der Vorstand des Bezirksamtes Dachau bat am 8. Oktober 1862 um Arme Franziskanerinnen für das Krankenhaus, „da er von der segensreichen Tätigkeit der Schwestern in Starnberg gehört hatte“.[4]

Im Dienstvertrag, der am 7. Januar 1864 abgeschlossen wurde, verpflichtete sich der Distrikt nicht nur die Reisekosten, sondern auch die Kosten für einen Beichtvater zu übernehmen. Außerdem sollten Wohnung und Verpflegung im Krankenhaus und ein Zuschuß zur Kleidung von 30 Florin gewährt werden.[5] Zu diesem Zeitpunkt bestand das Krankenhaus aus einem Hauptgebäude und einem Rückgebäude mit bis zu 46 Krankenbetten. 1889 wurde dann ein neues Distriktskrankenhaus mit 56 Betten erbaut, 1970 erfolgte der Neubau des Kreiskrankenhauses.[6]

 

Der Orden der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie

Die Schwestern gehörten einem jungen Orden an, der auf Initiative des Seligen Paul Josef Nardini  1855 gegründet worden war, um Hilfe bei der Armen- und Krankenpflege in seiner Pfarrei in Pirmasens zu leisten.[7] Zusammen mit zwei Franziskanerinnen wurde die neue Kongregation der „Franziskanerinnen von der Heiligen Familie“ ins Leben gerufen, die 1857 vom Speyrer Bischof anerkannt wurde. Nach Nardinis Tod breitete sich der Orden sehr schnell nach Siebenbürgen, in die Pfalz und nach Bayern aus. Da das Mutterhaus in Pirmasens bald zu klein wurde, verlegte man das Kloster in das 1803 säkularisierte ehemalige Benediktinerkloster Mallersdorf, von wo sich die heute gängige Bezeichnung der „Mallersdorfer Schwestern“ ableitet. Die Schwestern waren und sind bis heute in sozialen Einrichtungen wie Kinderheimen, Kindergärten, Erziehungsheimen und Krankenhäusern tätig.  Aktuell leben 150 Schwestern im dortigen Kloster, 350 weitere Schwestern und Pflegekräfte im benachbarten Alten- und Pflegeheim St. Maria und im Schwesternkrankenhaus St. Elisabeth.

 

Krankenpflege im 19. und 20. Jahrhundert

Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein rekrutierte sich das Pflegepersonal in Krankenhäusern hauptsächlich aus kirchlichen Orden, sowohl im katholischen als auch im evangelischen Bereich (Diakonissinnen).[8] Hier verwirklichten die Klosterschwestern vor allem ihr Gebot der Nächstenliebe, der Caritas: „Das Leben ist eine lange und fortwährende Ausübung der Liebe“, formulierte es der Ordensgründer der Mallersdorfer Schwestern, der Selige Paul Joseph Nardini.[9] 

Eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Krankenpflege spielte im 19. Jahrhundert die Krankenschwester Florence Nightingale, die aufgrund ihrer Erfahrungen im Krimkrieg eine strukturierte Ausbildung forderte und auch Henri Dunant zur Gründung des Roten Kreuzes bewegte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden dann Krankenpflegeschulen, in denen sowohl weltliche Schwestern als auch Ordensschwestern für die Pflege ausgebildet wurden. Als Folge der Kriege des 20. Jahrhunderts hatte die Schwestern vor allem Kriegsverletzte zu versorgen. Die Zeit des Nationalsozialismus wurde zu einer schwierigen Zeit für alle Pflegekräfte, die zwischen staatlichen Verordnungen und ethischem und christlich geprägtem Berufsverständnis standen.[10]

Nach dem Krieg wurde mit Hilfe der Besatzungsmächte eine Neuordnung in der Krankenpflege angegangen. Ordensschwestern gehörten dabei neben weltlichen Schwestern weiterhin zum Pflegepersonal, nicht nur im Dachauer Krankenhaus. Ihre Anzahl nahm aber im Laufe der Jahrzehnte immer weiter ab. 1989 feierte der Orden in Dachau sein 125jähriges Dienstjubiläum, bei dem der damalige Landrat Christmann dessen Tätigkeit lobte und auch hervorhob, dass die seit 1942 in Dachau tätige Oberin Sr. Albana als eine der ersten ein Dokumentationssystem für alle ärztlichen und pflegerischen Maßnahmen eingeführt habe.[11] 

Zu diesem Zeitpunkt waren noch acht Schwestern im Dachauer Krankenhaus, davon fünf aktiv tätig. 

Dachauer Bürger erinnern sich auch heute noch an die sehr herzliche Sr. Gerberga (Barbara Sossau + 1993), die auf der Geburtshilfestation tätig war und an Sr. Adelpolda  (Margaretha Stiegler, + 1988), die sehr energisch auf der Männerstation Dienst leistete.[12] Beide wurden auf dem Friedhof in Mallersdorf bestattet.

Als sich 1991 abzeichnete, dass die letzten Ordensschwestern Dachau verlassen würden, sagte Landrat Hansjörg Christmann mit Blick auf die Zukunft: „Der Charakter unseres Hauses wird sich mit dem Weggang der Ordensschwestern verändern“.[13] Ein Jahr später endete dann die lange Geschichte der Mallersdorfer Schwestern in Dachau.

Birgitta Unger-Richter



[1] Mein Dank gilt Sr. George und Sr. Ritana aus Mallersdorf, die mir Informationen aus ihrem Archiv zur Verfügung gestellt haben. Weiterhin danke ich Sigi Heigl, Anni Härtl und Brigitte Fiedler, die Wissenswertes zu Mallersdorf und den Schwestern in Dachau vermittelten. Eine ausführliche Bearbeitung der Archivalien steht noch aus und wäre ein größeres Forschungsprojekt.
[2] Archiv Kloster Mallersdorf, Sr. George Huckle.
[3] s. Anm. 2 und Norbert Göttler: Gesundheitswesen, soziale Dienste und Einrichtungen. In: Kulturgeschichte des Dachauer Landes Bd. 1, Dachau 1992, S.56 – 63. Zur Pflichtaufgabe S. 56.
[4] Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Orden noch in Pirmasens. Erst 1869 zog der Konvent nach Mallersdorf um.
[5] s. dazu auch: Dachauer Neueste vom 11.04.1989 „Anfangs mit dreißig Florin Zuschuss“.
[6] Zur Geschichte der Spitäler /Krankenhäuser in Dachau s. Göttler, Anm. 3 und Georg Werner: Das Gesundheitswesen im Bezirksamt Dachau 1879-1885. In: Zeitschrift Amperland 45. Jg., 2009, S. 446-449. Weiterhin August Kübler: Dachau in verflossenen Jahrhunderten, Dachau 1928, S. 270 (dort Neubau des Distriktskrankenhauses im Jahr 1885). s.a.: Alexa A. Becker: Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vincenz von Paul an den klinischen Einrichtungen der Universität München und ihre Begegnungen mit dem Nationalsozialismus. Diss. phil. München (LMU) 2008. Abrufbar unter https://edoc.ub.uni-muenchen.de/9320/1/Becker_Alexa.pdfS.114 , dort auch Anm. 544-548 (23.10.2018)
[7] s. dazu: https://mallersdorfer-schwestern.de (abgerufen am 26.10.2018).
[8]  zur Geschichte der Krankenpflege im 19. und 20. Jahrhundert: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Krankenpflege#19._Jahrhundert (abgerufen am 24.10.2018) und Christoph Schweikardt: Die Entwicklung der Krankenpflege zur staatlich anerkannten Tätigkeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Das Zusammenwirken von Modernisierungsbestrebungen, ärztlicher Dominanz, konfessioneller Selbstbehauptung und Vorgaben preußischer Regierungspolitik. München 2008.  Abgerufen am 24.10.2018) unter: http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/SchweikardtChristoph/diss.pdf, hier v.a. S.61-63 (19. Jh.) und S. 138 (20. Jh.).
[9] Zitat in der Ausstellung über Paul Joseph Nardini im Kloster Mallersdorf.
[10] s. dazu auch: Becker, Alexa zit. Anm. 6.
[11] Dachauer Neueste s. Anm. 5.
[12] Auskunft von Anni Härtl, 27.10.2018.
[13] s. Anm. 5.

Gegen das Vergessen - Historie der Geehrten seit 2005


2005: Unterstützer von KZ-Häftlingen

Hans Köchl, Landwirt (1891-1972)
Max Königer, Notar (1910-2005)
Dr. Erika Mayer, Zahnärztin (1908-1972)
Rosina und Richard Turba, Lagerhausverwalter

2006: Wissenschaftler

Prof. Alois Dempf, Philosoph (1891-1983)
Prof. Dr. Josef Göttler, Pädagoge (1874-1935)
Dr. Franz Lang, Ingenieur (1873-1956)

2007: Über den Gutshof hinaus – erwarben sich polit., soz., wissenschaftl. Verdienste um ihre Mitbürger

Freiherr Kaspar von Schmid, Gutsbesitzer Hofmark Schönbrunn (1611-1693)
Viktoria von Butler-Clonebough, Gutsbesitzerin Schloss Haimhausen (1811-1902)
Peter Paul Winkler, Gutsbesitzer Gut Rotschwaige (1880-1962)

2008: Museumsgründer

Hermann Stockmann (1867-1938)
Hans von Hayek (1869-1940)
August Pfaltz (1859-1917)
Richard Huber (1902-1982)

2009: Opfer politischer Gewalt

Josef Großmeier stellvertretend für viele Tote in Dachau und München als Opfer der „Schlacht um Dachau“ April 1919

2010: Heimatforscher und Heimatpfleger

Dr. August Kübler (1863-1936)
Dr. Josef Scheidl (1875-1953)
Heinrich Neumaier (1913-1976)

2011: Ärztliche Pioniere

Dr. Heinrich Engert (1831-1915)
Dr. Felix Engert (1876-1940)
Dr. Hans Welsch (1895-1970)

2013

Die Kinder der Kinderbaracke Indersdorf, 1944-45 verstorben,
Gedenkstelen im Friedhof Maroldstraße in Indersdorf

2014: Künstlerinnen

Marie Langer-Schöller (1878-1969)
Paula Wimmer (1886-1971)
Maria Debus-Digneffe (1876-1956)
Marie Keller-Hermann (1868-1952)

2015: Drei Historiker - Drei Jahrhunderte

Wiguleus von Hundt (1514 -1588)
Friedrich Hector Graf von Hundt (1809 – 1881)
Dr. Gerhard Hanke (1924 -1998)

2016: Sozial engagierte Frauen

Die beiden Vorsitzenden des Dachauer Frauenbundes: Anna
Hörhammer (1871-1939) und Maria Pitzenbauer (1890-1976)

2017: Protestantische Siedler im 19. Jahrhundert

Daniel Walter und die Brüder Johann und David Ruth

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